Als ein Gemälde zum Herzenswunsch wurde

Ein Hospizgast, ein Künstler und viele Menschen, die gemeinsam einen Herzenswunsch möglich machten.

 Es war ein Bild, das ihn nicht mehr losließ. Immer wieder blieb ein Gast des Michaelis Hospizes vor einem großformatigen Gemälde des Künstlers Enrico Pellegrino stehen, das seit einiger Zeit seinen Platz im Hospiz hat. Das Kunstwerk berührte ihn so sehr, dass daraus ein Herzenswunsch entstand: Er träumte von einem eigenen Bild – gemalt von genau diesem Künstler. Es sollte ihn in seinen letzten Tagen begleiten und später einen besonderen Platz bei seiner Trauerfeier erhalten.

Als die Mitarbeitenden des Michaelis Hospizes von diesem Wunsch erfuhren, nahmen sie Kontakt zu Enrico Pellegrino auf. Für den Künstler stand sofort fest, dass er helfen wollte. Mit viel Herzblut machte er sich an die Arbeit.

Während das Gemälde entstand, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Gastes zunehmend. Das Hospizteam hielt den Künstler auf dem Laufenden. Als deutlich wurde, dass nur noch wenig Zeit blieb, zögerte Enrico Pellegrino nicht und brachte das fertige Bild einige Tage früher als geplant persönlich ins Hospiz. So konnte der Gast seinen Herzenswunsch noch selbst erleben.

„Als ich hörte, wie wichtig ihm dieses Bild war, wusste ich sofort, dass ich alles daransetzen möchte, damit er es noch selbst sehen kann“, sagt Enrico Pellegrino. „Dass ich ihm diesen Wunsch erfüllen durfte, hat mich tief berührt.“

Die persönliche Übergabe wurde zu einem besonderen Moment. Der Gast konnte sein Gemälde noch selbst in Empfang nehmen und die Freude darüber erleben. Vier Tage später verstarb er. Das Gemälde begleitete ihn schließlich auch auf seinem letzten Weg – genau so, wie er es sich gewünscht hatte.

Für Andrea Zimmermann, Geschäftsführerin des Michaelis Hospizes, ist diese Begegnung ein Sinnbild für die tägliche Hospizarbeit: „Wir können das Leben nicht verlängern. Aber wir können dazu beitragen, dass die Zeit, die bleibt, mit Würde, Menschlichkeit und besonderen Momenten gefüllt ist. Dazu gehört für uns, Menschen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und – wann immer es möglich ist – Herzenswünsche Wirklichkeit werden zu lassen.“

Dass dieser Wunsch erfüllt werden konnte, war das Ergebnis eines besonderen Miteinanders. Die Mitarbeitenden des Hospizes erkannten, welche Bedeutung das Bild für ihren Gast hatte. Enrico Pellegrino schenkte nicht nur seine Zeit und sein künstlerisches Können, sondern reagierte auch sofort, als klar wurde, dass nur noch wenig Zeit blieb.

Diese Geschichte erzählt von weit mehr als einem Gemälde. Sie zeigt, was Hospizarbeit ausmacht: Menschen bis zuletzt in ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen, ihre Wünsche ernst zu nehmen und ihnen mit Würde, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit zu begegnen. Manchmal sind es genau diese Augenblicke, die bleiben.